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Warum Kinder Kinder brauchen -Gemeinschaft macht klug

Aktualisiert: 25. Jan.

Kinder im Alter bis etwa fünf Jahren lernen durch Begegnung. Sie beobachten, ahmen nach, probieren sich aus – und das am besten im Kontakt mit anderen Kindern. In einer grösseren Kindergemeinschaft erleben sie täglich Situationen mit Gleichaltrigen, die sie zu Hause vermehrt nicht haben: sie müssen warten, sich behaupten, Kompromisse finden, verlieren und wieder aufeinander zugehen.


Das ist nicht immer harmonisch – und das ist auch gut so. Kinder lernen soziale Fähigkeiten nicht, weil alles friedlich verläuft, sondern weil sie erfahren, wie man mit Konflikten umgeht. Wenn sie erleben, dass andere Kinder andere Bedürfnisse, Grenzen und Ideen haben, beginnen sie zu verstehen, dass Zusammenleben Aushandlung bedeutet. Mit Begleitung von Fachpersonen entwickeln sie so schrittweise Empathie, Selbstkontrolle und die Fähigkeit, sich in einer Gruppe zurechtzufinden. Dies ist ein bedeutender Baustein in der frühen Charakterbildung, der bis zum 6-7 Lebensjahr gelegt ist. Das bedeutet, dass der Bindungsstil, Stress- und Emotionsregulation, Grundvertrauen-/oder Misstrauen und das Selbstwertgrundgefühl nach dieser Zeit verfestigt sind. Was danach kommt, wird nicht mehr neu geprägt, sondern kann nur noch angepasst, kompensiert oder bewältigt werden.


Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt in unserer Kita ist daher, die Förderung des sprachlichen Ausdrucks. Wir sprechen mit den Kindern in Schriftdeutsch, auch wenn viele von ihnen zuhause in Schweizerdeutsch als Muttersprache kommunizieren.  Einheimische Kinder aus Schweizer Familien erleben das Schriftdeutsch als eine "Fremdsprache". Das bewusste Anwenden von Schriftdeutsch hilft den Kindern, früh ein Gefühl für die neue Sprache zu entwickeln, die sie später in der Schule vordergründig brauchen werden– beim Zuhören, Verstehen, Erzählen und Lesen- und Schreibenlernen. Gleichzeitig hat das Schweizerdeutsch in unserer Kita als vertraute Alltagssprache seinen Platz. Beide Sprachwelten ergänzen sich bestens – die Mundart stärkt Nähe und Identität, das Schriftdeutsch eröffnet neue Ausdrucksmöglichkeiten und unterstützt die Bildung. Da im frühen Kindesalter das Sprachfenster geradezu aufspringt und im frühen Schulalter sich wieder schliesst, eignet sich diese Zeitphase bestens, um neue sprachliche Fähigkeiten mühelos zu erwerben. Wichtig dabei ist, dass die zweite Sprache authentisch und mit Gefühlen verknüpft, angewandt wird. Kinder ahmen gerne nach und lernen so unbemerkt dazu. Die Kindergemeinschaft ist das beste Umfeld, sich mit neuen Fähigkeiten auszuprobieren. Untereinander können die Kinder niederschwelliger von einer Sprache zur nächsten wechseln und so ihre erworbenen Fortschritte festigen.


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