Wie werden Kinder glücklich ?
- Oliver Dirwelat
- 11. Nov.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Nov.
Dies sollte die Frage sein, denn, wenn das Glücksempfinden da ist, dann ist keine Angst oder irgend eine Bedrängnis da und das Kind kann unbeschwert und in Freiheit seinen Interessen folgen. Die Frage nach dem Glück der Kinder greift also viel tiefer, als die reine Organisation von Betreuung.
Glück bei Kindern heißt nicht, immerzu zu lachen oder unterhalten zu werden. Glück bedeutet, frei von Angst und Bedrängnis den eigenen Interessen folgen zu können – im Vertrauen, dass der Erwachsene durch seine Präsenz Geborgenheit vermittelt und die Umgebung das Gefühl von Sicherheit vermittelt, obwohl sich jedes einzelne Kind mit seinem Potential und seinen persönlichen Eigenheiten in die Gruppe hineinwirkt.
Introvertierte Kinder:
Gerne und oft ziehen sie sich zurück und treiben ihre Dinge im Hintergrund lange und mit hoher Konzentrationsdauer voran. Sie sind oft stiller. Sie versinken konzentriert in ihre Tätigkeiten und investieren dabei viel Zeit für ihre Projekte. Ihr Glück liegt mehr im Erleben der Tiefe, die sie in der Stille erleben.
Extrovertierte Kinder: Sie suchen hingegen soziale Resonanz, wollen im Team wirken, brauchen Austausch und Dynamik. Ihr Glück liegt in der Begegnung und der Bewegung. Extrovertierte Kinder benötigen den sozialen Kontakt, um ihre Interessen innerhalb eines "Teams" zu verfolgen. Sie sind oft kontaktfreudiger.
Beide Temperamente sind wertvoll – und wenn sie aufeinandertreffen, können echte Synergien entstehen: stille Forscher profitieren von der Energie der Kontaktfreudigen, während diese wiederum von der Ruhe und Beständigkeit der Introvertierten lernen. Gleichzeitig besteht aber auch die Gefahr der Überforderung – das stille Kind fühlt sich überrollt, das unternehmungslustige Kind gebremst.
Deshalb braucht es kompetente, feinfühlige und erfahrene Fachkräfte, die die Unterschiede wahrnehmen, Räume und Möglichkeiten öffnen und die Grenzen einzelner schützen. Nur so werden die potentialreichen Verschiedenheiten zur Ressource und nicht zur Last.
Montessori: Harmonie trotz Gegensätzen
Wird eine Kindergruppe nach den Prinzipien Maria Montessoris geführt, geschieht etwas Besonderes:
Kinder entwickeln ein Bewusstsein für die Individualität jedes Einzelnen.
Sie achten aufeinander, weil sie gelernt haben, die Freiheit des anderen zu respektieren.
Selbst bei grossen Gegensätzen entsteht so Friede und Harmonie, weil die Gruppe von innen heraus durch eine Kultur der gegenseitigen Achtsamkeit getragen wird.
Die Kindergruppe entwickelt ein fein ausgeprägtes "Wir-Gefühl," auf dessen Grundlage jedes einzelne Kind seine individuellen Potentiale entfalten kann. Da es selbst viele Erfolgserlebnisse im Umgang mit den Materialien erlebt, gewinnt es immer weiter an Mut, sich mehr und mehr seinem Gegenüber auf Augenhöhe zu öffnen. So entstehen Partnerschaften und Freundschaften mit kreativen Dynamiken, welche sich im harmonischen Miteinander entfalten. Dieser Vorgang versetzt die Kinder oft in grossen gemeinsamen Schaffensdrang und in eine Form des inneren Glücks, was beobachtbar ist.
Montessori nennt die Erzeugung dieses Glückszustandes beim Kind, der in ihrer Arbeit als ein Phänomen auftrat, - die "Normalisation" des Kindes.
In dem Buch von Montessori " Kinder sind anders", S. 141 f ist nachzulesen:
"Nun handelt es sich bei den in unserem »Kinderhaus« aufgetretenen Phänomenen um natürliche seelische Erscheinungen. (...) Untersucht man die Bedingungen näher, unter denen durchaus zufällig die normalen Charakterzüge der Kinder so überraschend aufblühten, so lassen sich einige Umstände von besonderer Wichtigkeit feststellen."
Welche Rahmenbedingungen und Faktoren können wir beachten und schaffen, um Kinder zu ihren Glückserlebnissen führen zu können? Dies wird Thema eines weiteren Blogs unter "Kinder sind anders" sein.

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